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Dozentenvorstellung: Horst Eckert

Schlag gegen Camorra-Clan

Italienische Polizei nimmt Mafia-Größe fest

Palermo (…) So oder so ähnlich würde ein Zeitungsbericht in Italien anfangen, wenn man dort über die Ergreifung eines kriminellen Schwergewichts berichten müsste. Und so könnte auch die Überschrift zu diesem Artikel lauten, denn wir haben heute keinen geringeren als Horst Eckert – Syndikats-Größe aus Düsseldorf – “zu Gast”!

Horst Eckert

Und weil ich die große Ehre habe, zusammen mit Horst Eckert in der Anthologie “Düsseldorf linksrheinisch” (Verlag edition oberkassel, Düsseldorf) vertreten zu sein, müssen natürlich die beiden Düsseldorfer Ermittler aus “Der Tod der alten Dame” – Jo Brunner und Frank Nowak – den hiesigen Schreibtischtäter verhören. Dabei gibt es keinen linksrheinischen Klüngel, die Fragen der Kommissare sind mal wieder knallhart und die Luft im Vernehmungsraum ist zum Schneiden dick (raucht Hauptkommissar Brunner eigentlich? Hm, ich glaube, da war ich noch nicht festgelegt. Bei diesem Verhör raucht er jedenfalls …).

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Jo Brunner: Herr Eckert, in der Schreibtischtäter-Szene sind Sie alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Dennoch: erzählen Sie uns etwas über sich!

Horst Eckert: Lieber erzähle ich Kriminalromane. Die sind spannender. All meine Verbrechen finden Sie zwischen den Buchdeckeln.

Fängt ja schon gut an, denkt Brunner, und haut sich eine Reval aus der verbeulten Packung.

Frank Nowak: Die Liste Ihrer „Taten“ ist lang. Wollen Sie nicht reinen Tisch machen?

Horst Eckert: Ich gestehe, elf Romane gehen auf mein Konto, zuletzt „Schwarzer Schwan“. Der zwölfte ist gerade vollendet und erscheint Ende September bei Wunderlich. Der Titel lautet „Schwarzlicht“ und der Inhalt … ist noch geheim. Lassen Sie sich überraschen. Oder sammeln Sie Indizien auf meiner Homepage, wo ich gelegentlich Spuren hinterlasse.

Frank Nowak (greift zum Asthmaspray): Wie gehen Sie vor, wenn Sie eine „Tat“ planen?

Horst Eckert: Ich überlege mir eine Figur, die interessante Probleme meistern muss. Dann einen Kriminalfall, der dazu passt. Da werden Zettel vollgekritzelt, Karteikarten, ich lege Dateien zu meinen Figuren an, und wenn ich das Gefühl habe, dass die Geschichte steht, schreibe ich los.

Jo Brunner (hüstelt): Was ist das Besondere an Ihrer „Masche“?

Horst Eckert: Für mich ist – im Unterschied zu vielen Kollegen – Mord keine lustige Unterhaltung, sondern ein Beweis dafür, dass das Böse in uns steckt. Beim Schreiben möchte ich anhand meiner Figuren erforschen, wie wir Menschen ticken, was extreme Situationen aus uns machen können und wie wir uns darin verhalten. Dabei gibt mir das wahre Leben die besten Anregungen. In „Schwarzlicht“ ist das Mordopfer ein Ministerpräsident und trägt Züge von Uwe Barschel oder Christian Wulff. Mein Ermittler heißt Vincent Veih, er ist 43 Jahre alt, leidet aber immer noch darunter, dass ihn seine Mutter mit sieben Jahren zu Freunden abschob, weil sie lieber zur RAF in den Untergrund ging, als sich um ihren Sohn zu kümmern. Vincent ist schließlich Polizist geworden wie sein Großvater, bei dem er aufwuchs und gegen dessen autoritäre Art er in seiner Jugend rebellierte. Vincent Veih ist ein Kommissar, der hinterfragt, ob alles richtig ist, was er tut, und mit diesem Hinterfragen eckt er an, bei Vorgesetzten und Kollegen. Das alles macht ihn für mich so spannend. Auf diese Weise entstehen Geschichten, die komplex sind und voller Wendungen – wie das Leben. Und am Ende ist zwar der Kriminalfall gelöst, aber das Böse nicht aus der Welt geschafft, weil das vermutlich nie möglich sein wird. Für mich ist das jedoch keine Masche, sondern eine Frage der Wahrhaftigkeit.

Jo Brunner: Was war Ihr bislang größter Coup als Schreibtischtäter? Oder kommt der noch?

Horst Eckert: Woran misst man einen Coup? Einige Bücher haben sich besser verkauft als andere, einige haben renommierte Auszeichnungen erhalten, sind übersetzt worden oder bekommen – wie „Schwarzer Schwan“ bei Amazon – Fünfsternekritiken. Nein, der größte Coup ist für mich immer das Buch, das ich gerade beendet habe. Denn es steckt voller Herzblut. Und wenn Sie im Herbst „Schwarzlicht“ lesen, brüte ich bereits über der nächsten Tat.

Jo Brunner: Letzte Frage, Herr Eckert: Sie dürfen 3 Bücher mit in die „einsame Zelle“ nehmen. Welche wären das?

Horst Eckert: Die Schwarze Dahlie“ von James Ellroy, „Tage der Toten“ von Don Winslow und – kein Krimi – „Sabbaths Theater“ von Philip Roth. Aber ich hoffe, der Knast hat eine Bücherei, denn schon bald wären drei Bücher viel zu wenig!

Jo Brunner: Okay, Herr Eckert, ich denke, wir haben genug gehört. Das wird für eine Beurteilung als „Schwergewicht“ in der Krimiszene reichen. Ihnen blüht sicher „lebenslänglich“. Todsicher.

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Kriminalinski: Der Meinung bin ich auch! Wir alle freuen uns, hoffentlich „lebenslänglich“ spannende Krimis aus der Feder von Horst Eckert lesen zu dürfen. Herzlichen Dank für dieses Verhör, lieber Horst! Wir freuen uns auf deinen neuen Krimi “Schwarzlicht”!

Übrigens: Horst Eckert musste frei gelassen werden. Aber die Kommissare sind ihm weiter auf der Spur. Todsicher!

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